Ich hab gestern abend endlich "Life of Chuck" gesehen, nachdem ich geschafft habe, vorab absolut nichts über den Film oder die Story von Stephen King zu wissen. Das einzige was ich "wusste" war, dass es ein Feelgood-Movie sei, was total irreführend ist, denn diese Übung in Existenzialismus ist... sehr, sehr viel. Ich werde nichts spoilern, sondern möchte einen Aspekt ansprechen, der mich unabhängig von der eigentlichen Geschichte beschäftigt.
Und zwar geht es um den ersten Akt. Da geht es im Prinzip darum, dass die Welt am Ende ihres Lebenszyklus angekommen zu sein scheint und die Reaktion der Menschen ist ein leises Aufgeben. Ich konnte mich da gut reinversetzen, weil wenn man nichts mehr tun kann, ist man am Ende nun mal bei Akzeptanz.
Wie gesagt, ich spoilere nicht, worum es hier im Film eigentlich geht. Mir geht dieser Akt unabhängig von der "Auflösung" in der Story auf eine andere Weise nach: Ich habe das Gefühl, dass wir zur Zeit Gefahr laufen, in eine ähnliche Stimmung zu geraten angesichts allem, was gerade auf der Welt passiert. Eine Hand voll sehr alte und sehr reiche Menschen zerstören zur Zeit die Welt und es scheint, dass wir nichts dagegen tun können.
Warum sie das tun? Weil sie keine Zukunft haben. Sie hassen den Gedanken, dass sie sterben und die Jüngeren einfach ohne sie weiterleben und "ihr" Besitz wegverteilt wird. Also verbrennen sie die Welt, dann ist nach ihnen Schluss. Es ist die Rache an denen, die die Frechheit haben, sie zu überleben. Nichts gönnen im egoistischsten Ausmaß, das man sich vorstellen kann.
Und diese giftige Weltsicht tröpfelt in die ganze Gesellschaft: Wir gönnen so vielen Menschen auch kein sicheres Leben. Und es sind dieselben, die von alten, reichen Männern verachtet werden, nämlich jede*r, die/der nicht alt und reich ist.
Was haben Trump und Merz gemeinsam? Sie schimpfen auf alle: Immigrant*innen, Frauen, Arbeitende, Kinder, Arme, trans Personen und was haben wiederum alle anderen gemeinsam? Sie schimpfen auch, aber halt aufeinander, jede*r gegen jede*n.
Und wer das nicht will, hat das Gefühl, vor einem unaufhaltsamen Untergang zu stehen. Statt dass die Welt in die Zukunft geht, fällt sie in eine imaginierte Vergangenheit, die sich alte, reiche Männer einbilden, um ihrer Endlichkeit zu entgehen. Und sie haben alle Macht und alles Geld, so dass es unabwendbar scheint: Wir werden unsere Demokratie, unsere Freiheit, unsere Umwelt und damit unsere Zukunft verlieren.
Aber: Das ist nicht so. Im Film geht das Universum des ersten Aktes tatsächlich unter, die Menschen haben das gar nicht in der Hand. Aber an dieser Stelle sind wir nicht. Die reichen, alten Männer werden alle sterben. Und die Reichen auch. Wir fallen nicht zum ersten Mal zurück in eine Welt von alten reichen Männern, die es so sehr hassen, zu sterben, dass sie diesen Hass auf alle andere projizieren, dass sie ihre Endzeit zur Endzeit für alle machen wollen.
Leider haben wir aber wieder so eine Zeit. Und da müssen wir durch. Wir müssen Gemeinschaft bilden, diejenigen stützen, die vor uns stehen und diejenigen schützen, die nach uns weitermachen müssen. Weil die Welt nicht untergeht, nur weil ein paar reiche, alte Männer nicht damit zurecht kommen, dass sie sterblich sind und nach ihnen die Welt weiter existiert.

Die Realität ist - wie so oft - wesentlich unspektakulärer: Spaltung suggeriert ja, dass es einen halbwegs gleich großen Anteil von Progressiven und Konservativen gibt, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Dass das so gar nicht stimmt, sondern vor allem ein Fehlschluss ist, der aus dem medialen false balancing von Meinungen (Wir bekommen ständig 50/50 eine pro und eine contra Stimme gegenüber gestellt ohne dass berücksichtigt wird, wie hoch der Anteil der beiden Gruppen eigentlich ist) entsteht, wird seit einiger Zeit immer wieder angemahnt, aber so richtig angekommen scheint mir das noch nicht zu sein.
Am Beispiel des pinken Trikots können wir aber erneut sehen, wie klein die Gruppe derer ist, die sich über das ach so woke rosa Shirt echauffieren und das sogar in einem Umfeld, das gerne als positiv ausgedrückt "bodenständig" angesehen wird: Es ist nämlich ein massiver Verkaufsschlager.
Was sagt uns das: Die Aufregung ist gar nicht so groß wie sie erscheint. Und die Spaltung der Gesellschaft ist in Wirklichkeit gar nicht vorhanden - die Kritiker des "Wokismus" einer T-Shirtfarbe ist eigentlich eine winzige Minderheit, die es ja zu jedem Thema gibt und die es auch immer gab. Der einzige Unterschied ist, dass man ihre Bedeutungslosigkeit früher medial korrekt eingeordnet hat und man sie folgerichtig ignoriert hat.